ECVIM-CA - was ist das ?

ECVIM ist - einfach ausgedrückt - die Vereinigung der europäischen Kleintier-Internisten. Das College vereinigt unter seinem Dach Spezialisten aus den verschiedensten Bereich der Internistik: Endokrinologen, Kardiologen, Onkologen, und noch viele andere Spezialgebiete mehr.

 

ECVIM-Congress 2005 - wie kommt Bettina da hin ?

Als ich eines abends im Internet mal wieder über die Website von ECVIM surfte und mal wieder auf der Congress-Seite stöberte, da entdeckte ich den Button “submit Abstract” (also elektronische Einsendung der Kurzform einer wissenschaftlichen Arbeit). Ich war ja immer schon ein bißchen bescheuert, also dachte ich mir: es steht nirgendwo, dass man ECVIM-Mitglied sein muss, um einen Abstract einzusenden. Also steht mir der Weg theoretisch auch offen. Jetzt hiess es “nur” noch: über welches Thema schreibe ich ?

Eines war klar: es musste mit Cushing zu tun haben. Schnell drängte sich mir auf, dass es das brennendste Anliegen aller Cushinghunde-Besitzer ist, möglichst schnell eine präzise und gesicherte Diagnose zu bekommen. Und genau daran scheitert es oft. Und selbst wenn die Diagnostik annähernd richtig durchgeführt wird, sind viele Haus-Tierärzte nicht auf dem Stand der aktuellen Wissenschaft bzw. Klinik und haben Schwierigkeiten bei der Therapiewahl. Hier war schnell mein Ansatz für den Abstract gefunden. So schrieb ich eine Art “Aufruf” an die Endokrinologie-Spezialisten, ihr Wissen noch weiter in die Reihen der normalen Veterinäre zu streuen. Den Abstract werde ich in Kürze hier noch veröffentlichen.

 

Der Abstract war geschrieben - und nun ?

OK, ich sendete also den Abstract ab. Ein wenig mulmig war mir schon und ich dachte: wer auch immer diese Einsendung lesen wird, der wird sicherlich ganz fürchterlich lachen über soviel Unverfrorenheit und über dieses unwissenschaftliche Geschreibsel. Aber schon am nächsten Tag erhielt ich eine Mail der Congress-Secretary, Sharon Green: leider sei mein Text zu lang, er dürfe nur 1 DIN A4 - Seite betragen. Also setzte ich mich sofort daran, den Text zu kürzen und sendete ihn erneut. Ich fühlte mich schon etwas mutiger, weil ich überhaupt schon mal eine Antwort erhalten hatte *lach* . Aber die “Freude” wurde schnell getrübt: bereits einen Tag später (es war 2 Tage nach dem eigentlichen Einsendeschlusses für die Abstracts) schrieb Sharon mir erneut: ich hätte zwar jetzt nur 1 Seite, aber ich habe die Formatierungsvorschriften nicht beachtet. Es gab eine leere Vorlage, in die ich also flugs meinen Text übertrug. Danach hörte ich erst mal nichts mehr.

Zwischenzeitlich dachte ich, dass es ja nett gewesen wäre, wenn ich zumindest eine Absage ... “tut uns leid, aber wir nehmen nur Fachbeiträge an... “ oder ähnlich erhalten hätte. Wirklich gerechnet hatte ich ja sowieso mit nichts. Es ist wie mit dem Lottospielen: man spielt, weil man natürlich gewinnen möchte. Aber wirklich daran glauben kann man ja eigentlich doch nicht.

Und dann kam der 01.07.2005. In meiner Mailbox war eine Mail mit dem verheissungsvollen Titel “2005 ECVIM-CA congress Glasgow, Scotland” gelandet. Ich öffnete die Mail und traute meinen Augen nicht. Vor mir tanzten die Worte

“It gives the Scientific Committee of the ECVIM-CA Congress 2005 great pleasure to inform you that your research communication submitted to our Congress has been accepted as a POSTER PRESENTATION. “

Die  Buchstaben hüpften im gleichen Takt wie mein Herz, als ich am Ende der Mail las

“We are looking forward to meeting you and reading your research communication in Glasgow.”

Ich konnte es nicht fassen.

 

Glasgow - die Anreise und die Ankunft

Das Internet ist ein fantastisches Medium. So gelang es mir, für 73.- EUR Hin- und Rückflug von Weeze (Airport Niederrhein) nach Glasgow-Prestwick (~ 35 km entfernt vom Zentrum der Stadt) zu buchen. Auch das Hotel - direkt am Veranstaltungsort gelegen - konnte ich preiswerter buchen, als über die Congress-Website. Im Netz hatte ich mir zuvor die Fahrpläne für den Zug nach Glasgow Central Station ausgedruckt, um für Hin- und Rückfahrt gerüstet zu sein.

So landete ich gegen 18 Uhr Ortszeit in Prestwick bei wunderschönem Sonnenschein. Die Zugfahrt war problemlos, vom Bahnhof aus nahm ich mir ein Taxi.zum Hotel. Mein Zimmer lag im 14.Stock und bot einen fantastischen Blick auf den River Clyde und die Stadt, sowie das am gegenüberliegenden Ufer befindliche, futuristische Science Center.

Nachdem ich den Koffer ausgepackt hatte ging ich noch in der Bar eine Cola trinken und dann ins Bett. Ich war so aufgergt und wollte am nächsten Tag unbedingt fit (und cool *g*) sein...

 

Der Congress - 1. + 2. Tag

Am Freitag war ich also völlig wuschig (für den Nicht-Rheinländer: durcheinander) , als ich in die Kongresshalle kam. Zunächst erhielt ich mein Congress-Package mit Namensschild, Essensgutscheinen (hatte was von einer Klassenfahrt *g*) und dem Buch, in dem alle Beiträge des Congresses in gedruckter Form zusammengefasst waren. Etwas verloren wanderte ich durch die Gegend, hängte meine Posterpräsentation an die dafür vorgesehene Stelle, besuchte den einen oder anderen Vortrag.

Nach dem Lunch traute ich mich dann endlich, eine der “Lichtgestalten”, den Cushing-Papst Prof.Dr.Reto Neiger anzusprechen. Wir kannten uns bis dato durch Mailkontakt. Er war als Congress-Präsident ziemlich in Action, war aber sehr nett und schleppte mich zum Messestand von Arnolds, dem Lieferanten des Cushing-Medikamentes Vetoryl. Dort stellte er mich Laura Johnston vor, mit der ich früher auch bereits Mailkontakt hatte. Laura ist den meisten Cushingleuten bekannt als Schnittstelle für Besitzeranfragen, aber auch als Ansprechpartnerin für die Veterinäre. Laura hat selber einen Posterabstract  einer Studie präsentiert, die sich mit der Absorption von Trilostane bei gefütterten bzw. nüchternen Hunden auseinandersetzte. Laura war “live” genauso nett wie in ihren eMails und wir unterhielten uns angeregt über die Arbeit der deutschen und der amerikanischen Cushinggroup.

Am Samstag morgen waren die beiden für mich spannendsten Vorträge: Zunächst erläuterte Dr. B.Meij von der Universität Utrecht den aktuellen Stand der Hypophysektomie, also der chirurgischen Entfernung des Hypophysentumors bzw. der kompletten Hypophyse. Dieser Eingriff wird weltweit nur in ganz wenigen Kliniken durchgeführt, in Europa wagt nur Utrecht mit einer recht langen Erfahrung diese hochkomplizierte Operation. Eingangs seines Vortrages verwies Dr.Meij ... AUF MEINEN ABSTRACT ! Ich sass im Publikum und war sprachlos. Später sprach ich Dr.Meij an und dankte ihm für die Erwähnung, die ich als Auszeichnung empfand - zeigte es doch, dass mein Text nicht nur zur Kenntnis, sondern auch ernst genommen wurde.

Im Verlauf der 2 Tage und auch während des Dinners am Freitag abend sprach ich noch mit vielen weiteren Teilnehmern, von denen ich durchweg ein positives Echo auf meinen Abstract bekam. Das ganze Feedback, die Freundlichkeit, mit der mir begegnet wurde, die Lockerheit der Menschen haben mich tief beeindruckt. Die Congressteilnahme war ein Erlebnis, das noch lange nachwirken wird und auch Konsequenzen hat: ich habe nette Bekanntschaften gemacht, die auf jeden Fall vertieft werden und wer weiss ... Amsterdam 2006 ist eine Option, die mir von berufener Stelle nahegelegt wurde.... We will see ;-)

 

Alles aufzuschreiben, was ich erlebt habe in den 3 Tagen würde hier jeden Rahmen sprengen. Ich habe viel gelernt und viele Eindrücke mitgenommen. Diese Chance bietet sich einem interessierten Laien nicht allzu oft und ich möchte an dieser Stelle ein paar Dankesworte an “Personen” loswerden, die es mir überhaupt erst ermöglicht haben, ein solches Abenteuer zu wagen. Also danke ich hier

  • Candy, meinem kleinen Regenbogenengel. Du bist die Triebfeder dafür, mich mit Tiermedizin und speziell Cushing auseinanderzusetzen. Du warst die Lehrmeisterin und Du bist heute noch ein Teil der grossen Cushinggemeinde. Du bist immer da und sollte ich tatsächlich die Einladung nach Amsterdam erhalten, dann wird auch Deine Geschichte dort endlich ein “Gesicht” bekommen !
  • meinen Eltern, die mich mit dem Grundsatz ins Leben geschickt haben: ”Setz Dich durch und verfolge Deine Ziele”. U.a. dank meiner Eltern und ihrer Förderung war ich in der glücklichen Lage, auf einem englischsprachigen Kongress mit viel medizinischem Fachvokabular sprachlich nicht unterzugehen.
  • Angelika Hörauf, die nie müde wurde, alle meine Fragen zu beantworten und mir Mut zu machen. Candy hätte keine bessere Betreuung haben können als bei Dir, Geli .
  • meiner besten Freundin Silvia, die sich von der ersten Sekunde an mit mir gefreut hat und genauso aufgeregt war wie ich. Natürlich auch ihrem Mann Ingo, der mich mit seiner Begeisterung sehr, sehr stolz gemacht hat.
  • meinen Freundinnen Heidi, Celia, Manu und Vivian (Mitglieder bzw. Moderatoren der deutschen und amerikanischen Cushinggroups). Sie haben mich im Vorfeld bestärkt, mich unterstützt, mir durch ihre Worte das Selbstvertrauen gegeben, welches in den letzten Tagen vor dem Kongress oft ins Wanken geraten war.
  • last but not least David Church und Bernhard Gerber, die für die Auswahl meines Abstracts und die Einladung verantwortlich zeichnen. Dr.Gerber gilt ein spezieller Dank für das aufmunternde Gespräch am Samstag nach der Closing Ceremony ;-)